Warum Solution-Hygiene langfristig Zeit und Geld spart
Aufräumen in Dataverse hat selten einen Auftraggeber. Wo sich der Aufwand trotzdem rechnet und wo nicht.
Aufräumen hat in Dataverse-Projekten und meist in IT Projekten generell ein Problem: Es gibt keinen direkten Kunden dafür. Ein neues Feld hat einen Auftraggeber, eine bereinigte Namensgebung nicht. Deshalb passiert es meist erst wenn der Schmerz groß genug ist.
Das ist nachvollziehbar, aber eine teure Herangehensweise. Nicht weil unaufgeräumte Lösungen technisch schlechter laufen, sondern weil jede künftige Änderung länger dauert und die Performance der springende Punkt ist.
Wo die Zeit tatsächlich verloren geht
Der größte Posten ist die Suche. Wer ein Feld ändert muss zuerst herausfinden wo es überall verwendet wird: in welchen Formularen, Ansichten, Skripten, Flows und Berichten. Bei dokumentierten Komponenten mit einheitlicher Namensgebung dauert das Minuten. Ohne beides wird daraus eine halbe Stunde, und am Ende bleibt Unsicherheit.
Der zweite Posten ist die Vorsicht. Wenn niemand weiß wozu ein Feld da ist wird es nicht gelöscht. Also bleibt es. Und weil es bleibt muss es beim nächsten Umbau mitbedacht werden. So wächst der Umfang immer weiter ohne, dass irgendjemand eine Entscheidung getroffen hätte.
Der dritte Posten fällt nur einmal an aber dafür heftig: die Übernahme durch neue Menschen. Ein Team, welches eine undokumentierte Lösung erbt braucht Wochen für das was mit Dokumentation Tage wären.
Was sich messen lässt
Mehr als man denkt steht schon im Export. Der Dokumentationsgrad zum Beispiel: Wenn von hundert eigenen Feldern fünfzehn eine Beschreibung haben liegt das Wissen über die anderen fünfundachtzig in Köpfen. Oder die Präfixe: Verteilen sich die eigenen Komponenten auf drei Namenspräfixe mit ähnlichem Anteil, haben hier drei Teams nebeneinanderher gebaut. Dazu die Web-Ressourcen auf die nichts mehr zeigt und der Bestand an klassischen Workflows oder altem JavaScript.
Keine dieser Zahlen ist ein Urteil. Aber zusammen geben sie einen zuverlässigen Indikator, wie teuer die nächste Änderung wird.
Wo sich Aufräumen nicht lohnt
Nicht jede Altlast muss weg. Eine Lösung die in 18 Monaten abgelöst wird muss nicht durchdokumentiert werden. Ein Feld das seit 5 Jahren unangetastet funktioniert ist kein Risiko.
Vorrang hat was Schaden anrichten kann solange es liegen bleibt: Löschrechte die zu weit gefasst sind, kaskadierende Löschregeln an Stellen wo sie niemand vermutet, Verbindungen nach draußen ohne Verschlüsselung. Danach kommt was einem konkreten Vorhaben im Weg steht: Vor einer Migration führt an den abgelösten Technologien schlicht kein Weg vorbei.
Alles andere würde ich an bestehende Arbeiten hängen. Die Tabelle wird sowieso umgebaut? Dann in dem Zug die Felder beschreiben. Dann kostet es nur Minuten. Eine eigene Aufräumaktion kostet ein Budget das erfahrungsgemäß niemand bewilligt.
Was Nicht-Wartung über die Jahre kostet, rechnet dieser Artikel durch. Woher der Rückstand überhaupt kommt, steht in einem eigenen Artikel über die Entstehung technischer Schulden in Dynamics 365.
Der praktische Einstieg
Der erste Schritt ist nicht Aufräumen sondern Messen. Solange niemand weiß, wie es um eine Lösung steht ist jede Diskussion darüber eine Meinungsfrage. Mit Zahlen lässt sich wenigstens ehrlich darlegen was zuerst drankommt.
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